Marie-Luise Hinrichs - Klavier  
 
MusicOn/MusicOff
Interviews
 


Pianistin Marie-Luise Hinrichs

Deutsch | English


Feinsinnig und elegant
(Siegener Zeitung 1. März 2016)
Marie-Luise Hinrichs erfreute ihr Publikum mit einem wunderschönen Klavierabend in Stift Keppel. Sie spielte barocke, romantische und eigene Werke

…darüber hinaus ist sie als Pianistin seit ihrem Mozart-Debut mit 14 Jahren eine international gefragte Solistin und hat sich u.a. mit einer Mozart-CD (Classical Cannes Award) und der 2011 erschienenen CD „Vocation“ mit Bearbeitungen von Gesängen der mittelalterlichen Komponistin Hildegard von Bingen einen Namen gemacht.
Aus der Partita No I BWV 825 von Johann Sebastian Bach spielte die Pianistin zu Beginn Präludium, Sarabande und Menuett I und überzeugte durch ihre feinsinnige, sensibel abgestufte und-mit leichter Pedalunterstützung - sehr warme Tongebung. Die ausdrucksvolle Sarabande geriet so fast ein wenig romantisierend. Auch die vier Sonaten von Domenico Scarlatti gefielen in ihrer filigranen, triller- und prallerreichen Lebendigkeit…
Ganz in ihrem Element war die Interpretin bei den drei Stücken von Frédéric Chopin. Das berühmte Regentropfen-Prélude No 15 op. 28 Des-Dur Sostenuto wird wegen seines an Regentropfen erinnernden Ostinato-Tones Regentropfen-Prélude genannt. Bereits George Sand hatte ihren Freund Chopin auf diesen Eindruck hingewiesen. Dieser wollte trotz der Entstehung des Stückes während des stürmischen Winters auf Mallorca nichts von einer tonmalerischen Deutung wissen. Traurig und gefühlvoll gestaltend, mit intensiver Steigerung vor dem düsteren Schluß zog die Pianistin ihre Zuhörer in den Bann.
Nach der Pause erklangen Tierbilder-Miniaturen, deren Entstehung aus Tierbeobachtungen Marie-Luise Hinrichs augenzwinkernd erläuterte. ( Zu dieser Thematik passte es, dass die Einnahmen des Konzertes dem Tierschutzverein zugut kommen.) So wurden ihr eigener Hund Stella, der Nachbarskater Meo, Kaninchen, Maus, Vögel, Fuchs und Schmetterlinge verblüffend kurz und einprägsam tonmalerisch charakterisiert.
Ein schwankender Kamelritt mit fernöstlichen Pentatonik- und Quintklängen und ein lebhaftes Porträt der Nichte Linda samt ihrem Hund Floh lösten Schmunzeln und Beifall der Zuhörer aus. Auch die drei Variationen ( die erste stammte von der Pianistin) über ein Thema von Robert Schumann konnten gut gefallen. Zum Abschluß erklangen Bearbeitungen aus dem „Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi, dessen schmerzliche Gesänge ebenso eindrücklich auf dem Klavier erklangen wie das „Ave generosa“ von Hildegard von Bingen. Meditativ , melodiös reich verziert und über das damalige Psalmodieren weit hinausgehend, beeindruckten diese Gesänge, die in der Klavierfassung der Pianistin faszinierend leuchteten.

Ausschnitt aus einem Interview mit dem Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil:
Welcher Gegenstand stört Sie oder hilft Ihnen beim Schreiben?
"...[Mir hilft beim Schreiben] vor allem gut ausgewählte Musik: niemals Gesang, niemals Orchester, ausschließlich Solo-Instrumente und sehr langsame, leise, meditative Stücke. Ganz wunderbar helfen die Gesänge der Hildegard von Bingen, auf dem Flügel gespielt von der Pianistin Marie-Luise Hinrichs (Vocation)..."
DIE ZEIT, November 2011
 

Pianistin bewegte Zuhörer in Marienstatt
(Rhein-Zeitung  2.Oktober 2012, von Larissa Schütz)

Die Kölner Pianistin Marie-Luise Hinrichs ließ die Zuhörer in der Annakapelle in Marienstatt tief in ihr Herz blicken. Mit ihren „Klaviergesängen" hat sie die Lieder Hildegards von Bingen für das Tasteninstrument umgeschrieben und den Kompositionen der Mystikerin aus dem Mittelalter ein neues Gewand aus sanften und doch eindringlichen Klängen gegeben.

Als Frater Gregor vom Marienstatter Musikkreis den Termin für das Konzert mit der Pianistin Marie-Luise Hinrichs ausgemacht hatte, war beiden noch nicht klar, dass nur eine Woche später, am kommenden Sonntag, Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin erhoben wird. Ein passender Anlass für ein beeindruckendes Konzert. Neben ihren Improvisationen über die Lieder der bekannten Benediktinerin zeigte Hinrichs außerdem Werke des Komponisten und Mystikers George Ivanovitch Gurdjieff in Zusammenarbeit mit dem Pianisten und Komponisten Thomas de Hartmann.

Marie-Luise Hinrichs begegnete dem Werk Hildegard von Bingens zum ersten Mal im Juni 2005, als sie das Buch „Visionen" las und vom ersten Moment an gefesselt war von der weisen Frau: "Ein halbes Jahr lang hörte ich das Lied '0 virga mediatrix'. Die Musik hat heilende Wirkung. Sie umfängt den ganzen Kosmos und ist wie ein Echo des Kosmos, des Himmels und der Sterne hier auf unserer Erde." Ihre
Hände seien beim Umschreiben der Stücke regelrecht geführt worden und sie erfand Techniken, die ihr vorher nicht bekannt waren, so die Pianistin. Und Hinrichs Darbietung war wirklich außergewöhnlich.

Völlig versunken schien sie in die Welt aus sanften Klängen zu sein, beseelt von der Kraft, die die Pianistin aus Hildegard von Bingens Musik herauszog und die sie auch an ihre Zuhörer in der Annakapelle weitergegeben hat. Ihre Hände schwebten über die Klaviatur, verharrten manchmal in der Luft, als versuchten sie, die Klänge einzufangen und festzuhalten. Hinrichs spielte aber nicht nur die Tasten des Klaviers, sie zupfte auch die Seiten des Instruments, wie eine Harfenistin. Die Zuhörer in Marienstatt ließen sich ein auf die fast schon meditative Wirkung, die Hinrichs Musik entfaltete. Selbst während der Spielpausen zwischen den einzelnen Stücken herrschte gespannte Stille. Viele hatten die Augen geschlossen und lauschten konzentriert. Der Applaus am Ende des Konzertes "Klaviergesänge" war dafür umso lauter und die Pianistin spielte noch eine Zugabe.

Musik zum Träumen (Nassauische Neue Presse, 24. Juli 2012, von Willibald Schenk)

Mit viel Feingefühl spielte Marie-Luise Hinrichs in Weilburg.
Das dritte Nachtkonzert in der Reihe der Weilburger Schlosskonzerte war ein Erlebnis. Die Kölner Pianistin Marie-Luise Hinrichs gilt wegen ihrer feinfühligen, mystischen Prägung als Ausnahmeinterpretin in Deutschland. Sie brachte die Zuhörer dazu, die Seele baumeln zu lassen, zumal das Motto lautete: "Musik zum Träumen". Hinrichs führte die Nachtbesucher in mystische Elemente der Musik ein, die Bezug auf die große Mystikerin des Mittelalters, Hildegard von Bingen, nahmen, sich aber auch in den Sonaten des spanischen Padre Antonio Soler (1729–1783) zeigten, die durch Marie-Luise Hinrichs praktisch eine Wiederentdeckung fanden.

"Teufel im Mönchsgewand" wurde Soler seinerzeit genannt. Denn Pater Antonio war in der Tat von Musik besessen. 320 geistliche Konzerte und 120 Sonaten soll der Mönch geschrieben haben. "Es ist ein großes Geschenk, sich über die Musik auszudrücken", sagt Marie-Luise Hinrichs. Das tat sie mit einem empfindsamen Gespür für das Meditative. Die sympathische Künstlerin machte bereits vor 15 Jahren Bekanntschaft mit den Weilburger Schlosskonzerten. Man spürte ihre Freude über ihr erneutes Gastspiel. Sie will nicht durch virtuose Effekthascherei glänzen, sondern strahlt Ruhe und Milde, Musikalität und Empfinden aus. Auch bei Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Sonate B-Dur KV 570 zu hören war. Es ist eine Wiener Sonate aus dem Jahr 1789, ein Musizieren mit schlichten motivischen Formen, ganz der Abendmusik angemessen. Eindrücke enorm Hildegard von Bingen, deren Schriften von Mystik und Visionen durchglüht sind, finden sich auch in den Hymnen, Antiphonen, Sequenzen und Responsorien wieder. Drei einstimmige Gesänge (O virga ac diadema, De confessoribus, Ave generosa) hat Marie-Luise Hinrichs für Klavier bearbeitet. Die Eindrücke waren enorm, ebenso das am Schluss stehende Choralvorspiel "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" von J. S. Bach, für Orgel geschrieben, von Ferruccio Busoni (1886–1924) auf Klavier übertragen. Alles in allem eine Sternstunde der Nachtkonzerte, die Marie-Luise Hinrichs mit Brahms’ "Guten Abend, gut Nacht" im Sinne eines pianistischen Liedgesangs beendete. Der große Beifall regte noch zu einer Zugabe an.

 

Hinrichs lässt Flügel singen - Pianistin fasziniert späte Konzertbesucher in Weilburg
(Weilburger Tageblatt/ Wetzlarer Zeitung, 24. Juli 2012, von Klaus P. Andrießen)

Eine wohltuende Nachtmusik hat Marie-Luise Hinrichs den Besucherinnen und Besuchern des Spätkonzerts am Samstagabend in der Unteren Orangerie des Weilburger Schlosses geboten. Sollte jemand dabei vom Träumen in den Schlaf gesunken sein, hätte er etwas traumhaft Schönes verpasst. Die Pianistin gewinnt ihrem Instrument einen ganz eigenen Ton ab, der weit von dem wegführt, was man normalerweise von einem Klavierkonzert erwartet: Feinste Abstufungen und vielfältige Klangfarben lassen den mächtigen Flügel in sanfter Brillanz erstrahlen. Ihr Programm für die Weilburger Schlosskonzerte stellt Marie-Luise Hinrichs vor allem in den Dienst jener beiden Komponisten, mit deren Werken ihr Name besonders eng verbunden ist: Padre Antonio Soler (1729-783) und Hildegard von Bingen (1089-1179).

Die Sonaten des spanischen Geistlichen hat die Pianistin bereits auf zwei vielbeachteten CDs veröffentlicht, in die Musik der Heiligen vom Ufer des Rheins hat sie sich seit 2005 immer tiefer eingearbeitet. Heute ist Marie-Luise Hinrichs davon überzeugt, dass die Melodien der mittelalterlichen Universalgelehrten ebenso eine heilende Wirkung entfalten können, wie die von ihr praktizierten und in berühmten Büchern beschriebenen Heilmethoden. Natürlich handelt es sich bei diesen Stücken, von denen die Pianistin in der Unteren Orangerie drei darbietet, um Bearbeitungen für das Klavier. Der Weg zu diesen, so berichtet die Musikerin in ihrem CD-Begleitheft, führte dabei in erster Linie über das Singen. Und sie hat auf diese Weise auch ihrem Instrument das Singen beigebracht, wie die Zuhörerinnen und Zuhörer in Weilburg erleben. Den Auftakt gestaltet Hinrichs mit vier Sonaten Solers, die mit sanftem, ruhigem Ton schnell eine meditative Stimmung vermitteln. Dabei man- gelt es der Musik weder an Abwechslung noch an Bewegung oder dynamischer Veränderung. Dennoch kreist Soler mal intensiver, mal weitläufiger immer wieder um kleine Themen, denen er eine erstaunliche Vielfalt entlockt. Gesänge der heiligen Hildegard und ihre Zeit werden lebendig Natürlich erleben die Zuhörer vor allem die Interpretation von Marie-Luise Hinrichs, die mit ihrem ganz eigenen Anschlag und musikalischen Gefühl die Komposition des 18. Jahrhunderts für uns Heutige lebendig macht. Wie stark die Persönlichkeit der Pianistin auf die Interpretation Einfluss nimmt, zeigt die im Anschluss erklingende Klaviersonate B-Dur KV 570 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) - wenn man sie etwa mit einer Interpretation Alfred Brendels vergleicht. Marie-Luise Hinrichs unterstreicht die Sanglichkeit der Motive und geht äußerst behutsam mit den schnelleren Tempi um. Sie werden nicht verschleiert, aber in ihrer Wirkung deutlich gezügelt. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer schließen die Augen, während die Musik unter den sanften Händen der Pianistin entsteht. Nun erklingen die Bearbeitungen der Kompositionen Hildegards und es ist verblüffend, wie sich sofort eine ganz andere musikalische Atmosphäre einstellt. Kirchenräume, sakrale Gesänge, die schlichte Eleganz des Mittelalters entstehen vor dem geistigen Auge. Und auch die Pianistin erscheint nun verändert, ist der Heiligen offenbar ganz nahe. Sie fühlt sich anscheinend trotz ihrer anspruchsvollen Arbeit am Flügel frei und entspannt. Auch dieses teilt sich den Konzertbesuchern mit, die von dieser Musik nicht genug bekommen können. Gut, dass am Verkaufstisch die CD „Vocation" zu bekommen ist, auf der man die „Klaviergesänge" mit nach Hause nehmen kann.

 

...eine Meisterin der äussersten Klarheit, der klangschönen Vitalität...
Guido Fischer, Piano News

...In die Stille und Abgeschiedenheit eines Klosters versetzte der zarte, versonnene "Klaviergesang", der auf Anhieb - tiefgründig und mystisch - gefangennahm. Ein Erlebnis!...
Monika Salzmann, Der Westen

...Leidenschaftlich, akkurat, die zahlreichen, an Scarlatti erinnernden Praller voll unaufdringlicher Eleganz - es macht großen Spaß, Soler mit Hinrichs zu hören...
Rafael Sala, Piano News

Marie_Luise Hinrichs
Hintergrundbild