Marie-Luise Hinrichs - Klavier  
 
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Marie-Luise Hinrichs, Meditationen

MARIE-LUISE HINRICHS

MEDITATIONEN

Kompositionen von Hildegard von Bingen, Arvo Pärt und George I. Gurdjieff

Marie-Luise Hinrichs, Klavier

Angels Records 2019

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Im Mai ist eine ganz neue CD von der Komponistin und Pianistin Marie-Luise Hinrichs erschienen mit dem Titel Meditationen.
Marie-Luise Hinrichs hat auf dieser CD die einstimmigen Lieder der Heiligen Hildegard mit großer Sensibilität für Klavier bearbeitet. Das Besondere an dieser CD ist auch, dass Hildegard von Bingen 1098–1179 lebte und komponierte und Marie-Luise Hinrichs diese Kompositionen mit größter Sorgfalt mehrstimmig für heutige Ohren bearbeitet hat – Alte Musik aus dem Mittelalter trifft hier Neue Musik. Zarte, fast impressionistische Impulse setzt sie z.B. in den Hildegard-Kompositionen. Ähnlich hat es der Komponist George Ivanowitsch Gurdjieff (1866–1949) gemacht – er ist für mehrere Jahre durch Asien gereist und hat dann zusammen mit Thomas de Hartmann orientalische meditative Musik geschrieben, bei der man sich u. a. das Drehen der Derwische vorstellen kann. Es entstanden Meditationen, die uns in fremde Länder und Kulturen tragen (Gurdjieff / de Hartmann). Auf eine spirituelle musikalische Reise nehmen uns auch Hildegard von Bingen / Hinrichs und Arvo Pärt mit. Ein Erlebnis!

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Mit der CD Meditationen ist Marie-Luise Hinrichs wieder etwas sehr Besonderes gelungen. Das Empfindsame mit dem Meditativen zu verbinden und dabei dem Zuhörer einen eigenen Imaginatstionsraum zu öffnen, ist eine große Aufgabe - bei dieser Aufnahme hat Marie-Luise Hinrichs das ideal erreicht. Eine wunderschöne CD!

Once again, with her CD Meditations, Marie-Luise Hinrichs has achieved something very special. It is a great challenge to combine emotion with contemplation, and to open up a soundscape of imagination for the listener; here, Marie-Luise Hinrichs has achieved an ideal balance. This is a gorgeous CD!

Frank Siebert, Schleswig-Holstein Music Festival, 3 June 2019

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CD Besprechung Piano News 5-2019

Nachdem die deutsche Pianistin Marie-Luise Hinrichs lange Jahre für unterschiedliche Plattenlabels aufgenommen hatte, entschied sie 2015 ihr eigenes Label zu gründen, um ihren Konzeptideen Ausdruck zu verleihen. Die erste CD, die erschien, war der Musik Bachs, verbunden mit eigenen Kompositionen gewidmet. Im vergangenen Jahr erschien die CD „Tierbilder“, auf der sie eigene Werke mit denen von Wolfgang Ama deus Mozart kombinierte. Nun, nach einem weiteren Jahr, hat sie eine weitere Aufnahme veröffentlicht, die unter dem Titel „Me ditationen“ Werke von Arvo Pärt, Hildegard von Bingen und George I. Gurdjieff kombiniert. Und dass sie mit dieser Auswahl ein zum Teil altbekanntes Terrain und Interessengebiet beschreitet, wird deutlich, wenn man sieht, dass Hinrichs bereits vor etlichen Jahren eine Aufnahme unter dem Titel „Vocation“ veröffentlichte, auf der Sie Werke von Hildegard von Bingen mit denen Gurdjieffs verband. Wie damals, so hat sie auch dieses Mal die Gesänge von Hildegard von Bingen selbst für Klavier bearbeitet und sich bei den „Sayyidischen Gesängen“ des griechisch-armenischen Esoterikers George I. Gurdjieff auf die Übertragung für Klavier von dessen musikalischen Begleiter, den Russen Thomas de Hartmann verlassen. Pärt allerdings ist neu in ihren Programmen, und so steht dieser lettische Komponist mit seinen ebenso schwebenden Klangwelten wie die, die die Klavierbearbeitungen der anderen beiden Komponisten offerieren, wie ein Rahmen zu Beginn und ganz am Ende der CD. Mit dem bekannten „Für Alina“ eröffnet Marie-Luise Hinrichs die knappe Stunde an meditativen Klängen, die die Aufnahme bietet. Geschickt hat sie dann die ehemals monophonen Gesänge der Hildegard von Bingen mit denen von Gurdjieff zu einem Programm verbunden, das fast schon an esoterische Produktionen erinnert, die gerne von Yoga-Einrichtungen verwendet werden. Doch Hinrichs ist dabei vollkommen pragmatisch und will allein der Klaviermusik ihren Ausdruck verleihen. Und dabei ist diese Musik, die aufs Klavier übertragen ist, weitaus interessanter als die Musik, die uns heutzutage von vielen „modernen“ Pianisten-Komponisten geboten wird, da sie auf den Grund unserer Seele zugreift. Dass Marie-Luise Hinrichs bei ihren Aufnahmen einen älteren, kleinen Yamaha-Flügel nutzt, wird nur den stören, der sich nicht allein der musikalischen Aussage hingeben will.

 

CD-Besprechung Klassik-Heute

Künstlersche Qualität: 10 von 10 Punkten
Klangqualität: 9 von 10 Punkten
Gesamteindruck: 9 von 10 Punkten

Weniger ist manchmal mehr, wenn es um das sich versetzen in andere Zustände geht! Vielleicht ist es noch am ehesten mit dem Betreten einer stillen, einsamen, kühlen Kirche vergleichbar, wie schon die ersten Töne der Mediationen seitens der in Köln lebenden Pianistin und Komponistin Marie-Luise Hinrichs wirken. Ihr künstlerischer Ansatz wirkt wie eine spirituelle Suche, die aber gleichwohl in vielerlei Aspekten klug durchdacht ist: Im Zentrum der aktuellen CD stehen die mittelalterlichen Gesänge einer Hildegard von Bingen. Seelenverwandt wirkt hier die berührende Einfachheit, die zwei Kompositionen von Arvo Pärt entfalten. Und wo Musik gerade in solch „himmlischen“ Dimension keine Kulturgrenzen akzeptieren will, wirken die Sayyidischen Gesänge und Kaukasischen Tänze des griechisch-armenischen Mystikers George I. Gurdjieff wie ein plausibles Komplementär.

Um künstlerisch vollendetes Klavierspiel zu beschreiben, wird oft das Attribut des „Singens“ ins Spiel gebracht. Marie-Luise Hinrichs geht ihren ganz eigenen Weg, diesen Aspekt verblüffend direkt erfahrbar zu machen. Viele der hier bearbeiteten Stücke waren ursprünglich - was angesichts des historischen Kontextes dieser Musik nicht wundert - vokale Musik. Mehr noch: Zu ihrem Entstehungszeitpunkt war die formal verbindliche Mehrstimmigkeit noch lange Zukunftsmusik - bzw. entstehen gerade erst allerhand polyphone Verfahren, die vor allem beim Chorgesang zu spannenden Experimenten inspirieren. Auch Dur und Moll sind noch lange nicht zum herrschenden Prinzip erhoben worden, wenn modale Kirchentonarten sehr unmittelbar die „Farbe“ einer Melodie prägen. Diese Umstände kommen Marie-Luise Hinrichs zugute, wenn sie, unterstützt vom Arrangeur Thomas de Hartmann, die zum Teil uralten, starken Stücke für das heutige Klavier erschlossen hat, um ein raffiniertes, nie überladen wirkendes, viele verblüffende Möglichkeiten ausnutzendes Ganzes, eben besagte „Meditation“ zu erzeugen.

Aber „Meditation“ meint hier alles andere als Gleichförmigkeit, wo eine Dramaturgie voller Farbwechsel lebt. Der sakralen Aura von Hildegard von Bingens O viridissima virga wird mit stationären Borduntönen und Begleitakkorden ein Klangraum gegeben. Ein Sayyidisscher Gesang von George I. Gurdjeff „antwortet“ aus einer östlichen Kultursphäre heraus, was sich wie ein melancholisches Rezitativ anschließt. Eine verblüffend modern-minimalistische Aura atmet das Klavierarrangement von Hildegard von Bingens Ave Maria. Dann wieder verweilt Marie-Luise Hinrichs Spiel rhapsodisch suchend auf dem Melos von Gesängen wie O vis aeternitatis, wobei der Klangraum durch behutsame Manipulationen subtil ausgeweitet wird.

Das alles lebt vor allem durch das unaufgeregte, in sich ruhende Spiel dieser Pianistin. Sie gönnt sich den großen, freien Atem beim Phrasieren der Melodienbögen, setzt die oft kontrapunktisch, oder parallel geführten Stimmen plastisch gegeneinander, so dass der kantable, sangliche Effekt erhalten bleibt und jeder Klang, jede Schwingung den Raum bekommt, den sie verdient. Das entführt in Weiten, die durchatmen lassen, wo der Lärm einer übererregten Zivilisation zuverlässig draußen bleibt. Entdeckung!

CD review of "Meditationen" on www.klassik-heute.com

Artistic quality: 10 out of 10 points
Sound quality: 9 out of 10 points
General impression: 9 out of 10 points

When you are placed in an entirely new context, a little can go a long way. Imagine you were penetrating the tranquil walls of an abandoned church interior. That is the effect of the first notes you hear on Cologne-based pianist and composer Marie-Luise Hinrichs' CD "Meditationen". Akin to a spiritual quest, her artistic approach is nevertheless quite well thought-out in many aspects. This CD is centered on the Medieval chants of Hildegard von Bingen. Two Arvo Pärt compositions exude an analogous effect upon the listener with their moving simplicity. Music knows no cultural barriers when it operates within such "heavenly" dimensions, and thus the Greek-Armenian mystic George I. Gurdjieff's Sayyid chants and Caucasian dances are likewise included as a thoroughly plausible, complementary pairing.

Artistically impeccable piano playing is often described as having a "singing" tone. To ensure that her listeners experience that aspect concretely, Marie-Luise Hinrichs has forged her own path. Many of the arrangements featured on this CD are based on pieces that were purely vocal in origin (not surprising, considering their Medieval context). What is more, at the time when they were written, formally established polyphony did not yet exist: the first tentative polyphonic procedures were being tried out experimentally to make choral music more exciting. Neither had the major and minor modes yet become predominant; instead, modal church modes gave a melody its special color. Those historical circumstances work in Marie-Luise Hinrichs' favor: with the assistance of arranger Thomas de Hartmann, she uses the modern piano to explore these pieces, some of which are quite old, and brimming with sacral energy. Resorting to a number of astonishing technical possibilities without ever seeming overcharged, Hinrichs' refined style exerts the desired meditative effect on the listener.

And a "meditation" does not have to be monotonous; in this case, in fact, the pieces feature dramatic progressions coupled with changes of timbre. A stationary bourdon drone and accompanying chords provide the sacral aura of Hildegard von Bingen's O viridissima virga with the space and breadth to resonate appropriately. One of George I. Gurdijeff's Sayyid chants echoes in response, coming from another cultural sphere, the Middle East, and sounding like a melancholy recitative. Hinrichs' piano arrangement of Hildegard von Bingen's Ave Maria exudes an astoundingly modern, quasi-Minimalist atmosphere. Then her rhapsodic piano playing relaxes in the vocal melodic arc of tunes such as O vis aeternitatis: Hinrichs discretely applies a series of technical devices to subtly extend the piece's range of timbres and the space within which it resonates.

All of this music thrives on Hinrichs' relaxed, serene piano playing. She shapes melodic arcs with far-flung, free phrasing; she juxtaposes polyphonic parts in crystal-clear counterpoint or in parallel motion. Thus each piece's songlike, cantabile effect is preserved, and each timbre, each vibration, is provided with the room for resonance it deserves. We are transported to vast landscapes that allow us to breathe. The hubbub of our overexcited civilization remains outside the walls of this inner sanctum. What a discovery!

 

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...daß Marie-Luise Hinrichs vor allem in Hildegards "O vis Aeternitatis" auf die im phrygischen Ton wichtigen Quintparallelen zurückgreift, macht den Hymnus so lebendig. Sie durchschreitet mit sehr viel Sensibilität immer tiefer die Dimensionen der modalen Musik. Und Hildegard von Bingens "O Pastor Animarum" schreibt sie im vielgestaltig ausgedeuteten äolischen Ton, während sie für "Cum Vox Sanguinis" ein interessantes und musikalisch ergiebiges Gegenüber von Gegenbewegung und Quintparallelen wählt.In der "Noblissima Viriditas" hat Marie-Luise Hinrichs wiederum eine ganz neue Freiheit erreicht-eine hochinteressante Komposition, die zeigt, wie sehr diese Musikerin inzwischen in der kompositorischen Auseinandersetzung mit dem jahrhundertealten musikalischen Material gereift ist.
Alles in allem ist die CD „Meditationen“ bewegend komponiert - von Bearbeitungen mag man in diesem Fall nicht mehr reden -, klug zusammengestellt und mit einer den einzelnen Stücken adäquaten Sensibilität gespielt, wobei immer wieder auch jene Leidenschaft des Glaubens aufscheint, durch die sich Hildegards Hymnik von der Musik ihrer Zeitgenossen unterscheidet.

Norbert Ely, Musikjournalist 21.07.2019

 



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